„Heimat“ oder „Jeder ist auf der Flucht“

„Heimat“ oder „Jeder ist auf der Flucht“

„Bereits Ende 2014 haben wir uns für eine Performance zum Thema „Flucht/Heimat“ entschieden, nicht ahnend, wie sehr dieses Thema bald in den Fokus geraten wird“ sagt Gerd Conrad, Leiter des Theatervereins „KaZwoFuenfVier“ mit Mitgliedern aus Mainz und Wiesbaden, die mit dem aktuellen Stück diverse Anfragen vor allem aus caritativen Einrichtungen in Mainz und Wiesbaden erhalten hat. Doch nicht nur die derzeit große Flüchtlingsproblematik wird in diesem Stück beleuchtet. Die Gruppe hat sich während der Proben mit den verschiedensten Facetten von Flucht beschäftigt. „Wir wollen zeigen, dass Flucht alle betrifft – in der Geschichte, oder aber auch heute, in menschlichen Schicksalen mitten unter uns“ sagt Erik Biegel, der Regisseur der Truppe. Er hat bereits in mehreren Produktionen von „KaZwoFuenfVier“ Regie geführt und hat auch in diesem Falle sehr zum Gelingen beigetragen. Diese Performance ist bereits die zweite ihrer Art. Vor zwei Jahren kam es anlässlich eines Jubiläums des Thaddäusheims der CARITAS Mainz, einem Wohnheim für obdachlose Männer, zu einer kleinen Aufführungsserie eines Stücks zum Thema Obdachlosigkeit, die viel Beachtung fand. Ansonsten kennt man die Theatergruppe im Raum Mainz und Wiesbaden vor allem durch ihre Komödien, die jedes Frühjahr zur Aufführung kommen. Unsere aktuelle Performance dauert ca. 45 Minuten und lässt sich sehr gut in Veranstaltungen zum Thema „Flüchtlingshilfe“ oder ähnlichen integrieren. Selbstverständlich machen wir das kostenlos. Alles soll einem guten Zweck dienen.

Pressebericht:
Allgemeine Zeitung Mainz, 27.02.2016

„Werben für mehr Differenziertheit“

Mainz. „Jeder ist auf der Flucht“. Mit diesem Satz war eine Performance der „Theatergruppe K 254“ im Rahmen der Aktion „Sprechen verbindet“ für das Caritaszentrum Delbrêl überschrieben. In der Bonifatiuskirche erlebte das Publikum eine sehr nachdenkliche und kluge Auseinandersetzung mit dem Thema, welches im vergangen Jahr eine ungeheure Aktualität erhalten hat und Deutschland noch sehr lange beschäftigen wird. Offenkundig ist, dass die Debatte über dieses Problem vor allem eines braucht: Differenziertheit. Und sie war das oberste Gebot für „K 254“. Was kann Flucht alles bedeuten? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, hatten die Schauspielerinnen und Schauspieler unter der Regie Erik Biegels Erlebnisberichte vieler Menschen zusammengetragen. Alle Ausführenden beindruckten durch ihr eindringliches Spiel. Sie vermittelten die Texte, ohne zu überzeichnen, Musik wurde gelegentlich zurückhaltend zur Untermalung eingeblendet. Thomas Stadtfeld rezitierte die entsetzlichen Erfahrungen eines syrischen Obstbauern, der einst ein erfülltes Leben hatte. Der Bürgerkrieg hat seine Familie zerstört. Sehr ergreifend war der Beitrag Claudia Renners, die Erlebnisse einer Heimatvertriebenen von 1946 vortrug. Nach dem 2. Weltkrieg kamen Millionen von Einwohnern aus den ehemaligen Ostgebieten, die gewiss nicht überall mit offenen Armen empfangen wurden. Die Aufnahme gelang relativ schnell, nicht zuletzt, weil all diese Menschen Deutsch sprachen, und sich, bestehenden Problemen zum Trotz, an ihren neuen Lebensmittelpunkten zurechtfanden. Wie vielschichtig das Thema Flucht ist, verdeutlichte Monika Hub, die in die Rolle einer Frau schlüpfte, welche ihr gesamtes Leben ins Internet verlegt, um Enttäuschungen zu entgehen. Heilsam und überlebenswichtig war die Flucht Frida Kahlos in die Welt der Kunst, Christiane Hartmann trug Auszüge aus den Memoiren der mexikanischen Malerin vor. Verunsicherte Männer Gerd Conrad lenkte den Fokus auf die Perspektive eines verunsicherten Mannes, der eine Islamisierung befürchtet. Zelma Millard rekapitulierte die Flucht einer Afrikanerin, die unter Lebensfahr das Mittelmeer überquert. Jan Paul Nachtwey verdeutlichte die Traumata, welche der Bau der Berliner Mauer bei vielen Menschen auslöste. Marion Rader versetzte sich in eine permanent häuslicher Gewalt ausgesetzte Frau. Die Flucht ins Frauenhaus schützt sie vor ihrem Ehemann, aber nicht vor Vereinsamung. Viele Perspektiven, keine endgültigen Antworten – aber die sind nicht leicht zu finden. Dennoch brachte die vielschichtige Darbietung ein wenig Licht ins Dunkel.

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